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Ausbau des Glasfasernetzes: 1&1 und Telekom stehen vor Kooperation

Die deutsche Telekommunikationsbranche reibt sich verwundert die Augen: Zwischen zwei der großen Anbieter, der Deutschen Telekom und 1&1, bahnt sich offenbar eine Zusammenarbeit an.

Kooperation 1und1 und Deutsche Telekom

Kooperieren 1und1 und Deutsche Telekom beim Glasfasernetz? (© ThomBal – Fotolia.com)

Bisher waren die beiden Unternehmen öffentlich nur in harter Konkurrenz miteinander verbunden. Nun aber ging Telekom-Chef Timotheus Höttges auf 1&1 zu und bot an, gemeinsam das für High-Speed-Internet notwendige Glasfasernetz auszubauen, wie das Handelsblatt berichtet. Diese Offerte sei zu begrüßen, reagierte Ralph Dommermuth, der als CEO der United Internet AG auch die Geschäfte von 1&1 leitet. Mehr als fünf Millionen Haushalte könnten durch den Deal schnell an das Glasfasernetz angeschlossen werden, schreibt das Fachportal mobiFlip.

Was planen Telekom und 1&1 im Detail?

Für die Telekom führte Höttges aus, sein Angebot sei „verbindlich“. Über ein gemeinsames Joint-Venture mit 1&1 sollen demnach konkret im Ruhrgebiet und der Hauptstadtregion Berlin/Potsdam jeweils 2,5 Millionen Haushalte an neu zu verlegende Glasfasernetze anbinden werden. Auch in Thüringen wolle man 350.000 Haushalte neu anschließen. Die daraus entstehenden Kosten sollen laut Höttges von Telekom und 1&1 geteilt werden. Dommermuth machte für 1&1 deutlich, dass man diesem Vorschlag generell positiv gegenüberstehe. Es sei richtig und wichtig, für den beschleunigten Ausbau des deutschen Glasfasernetzes zu kooperieren. Dies liege im Interesse der Bürger und der beiden Unternehmen, wird Dommermuth von dem Internet-Portal inside handy zitiert. Der Haken an dem Plan: Der DSL-Kundenbestand von 1&1 sei nur ein Drittel so groß wie der vonseiten der Telekom., so Dommermuth. Dementsprechend würde die Telekom deutlich mehr von neu aufgebauter Glasfaser-Infrastruktur profitieren, 1&1 könne diese gar nicht ebenbürtig ausnutzen. Der Gegenvorschlag von 1&1 laute deshalb, die Kosten im Verhältnis 75:25 aufzuteilen. Eine Antwort der Telekom auf diesen möglichen Kompromiss steht bislang aus.

Was steckt hinter dem Glasfaser-Projekt von 1&1 und Telekom?

In einem sind sich die Beobachter des deutschen Markts für High-Speed-Internet ebenso einig wie die Anbieter selbst: Die Bundesrepublik hinkt den Entwicklungen im internationalen Vergleich hinterher und sollte dringend mehr Geld investieren, um das Glasfasernetz auszubauen. Bislang verfügt die Deutsche Telekom als ehemaliges Staatsunternehmen über den Großteil des Netzes. 1&1 kontrolliert über seine Tochter Versatel gut 45.000 Kilometer Glasfaser und kann dadurch in über 250 Städten Kunden mit DSL versorgen. Kommt der Deal mit der Telekom zustande, wäre 1&1 wohl endgültig seinen Ruf los, hauptsächlich die Infrastruktur von Mitbewerbern zu nutzen. Gerade im Hinblick auf den kommenden Mobilfunkstandard 5G möchte sich 1&1 als Telekommunikationsanbieter mit eigenen Netzen etablieren. Dommermuth etwa kündigte vor Monaten an, dass sich United Media und 1&1 an den Auktionen für die 5G-Frequenzen beteiligen werden. Mit 5G wird es möglich sein, über Mobilfunk Internet-Geschwindigkeiten zu erreichen, die mit DSL vergleichbar sind. Auch dort aber wird der Ausbau der Infrastruktur mit milliardenschweren Investitionen verbunden sein. Damit sich diese rentieren, müssen die Anbieter bundesweit kalkulieren. Ein Joint-Venture zwischen 1&1 und Telekom könnte das erste Signal dafür sein, dass man seine Leitungen und Sendemasten mit der anderen Seite gemeinsam nutzt. Damit wären sogenannte „weiße Flecken“ geschlossen, also die Gebiete in Deutschland, wo schnelles Internet weiterhin Mangelware ist.

Einigung in Sicht? 1&1 und Telekom gehen in Sachen Glasfasernetz in die Offensive

Wer die Strategien von 1&1 und Telekom kennt, weiß auch, dass die handelnden Personen Dommermuth und Höttges starke Egos haben. Dazu passt, wie die Pläne und Verhandlungen für eine Zusammenarbeit kommuniziert werden – nämlich öffentlich. Festzuhalten bleibt: Eine Einigung für den beschleunigten Ausbau des Glasfasernetzes wäre im öffentlichen Interesse, noch ist der Deal allerdings nicht unterschrieben.

 

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